sliderimage-Vertragsunterzeichnung (Quelle: FH Aachen)
Vertragsunterzeichnung (Quelle: FH Aachen)

Partnerschaft seit drei Jahrzehnten

Als der Mathematiker Prof. Dr. Gerhard Dikta vom Campus Jülich der FH Aachen 1988 zum ersten Mal als Gastprofessor an der University of Wisconsin, Milwaukee (UWM) arbeitete, wäre ihm wohl nicht in den Sinn gekommen, dass aus diesem Kontakt später einmal eine nunmehr drei Jahrzehnte währende Partnerschaft zweier Hochschulen werden sollte. Ein Dual-Degree-Programm im Masterbereich erlaubt es Studierenden, mit einem Studiengang die Abschlüsse beider Hochschulen zu erwerben.

Studierende wie Lehrende haben die Gelegenheit genutzt, einen Teil ihrer akademischen Karriere an der jeweiligen Partnerhochschule zu verbringen. „Aus der Zusammenarbeit mit der University of Wisconsin ergeben sich fantastische Möglichkeiten für unsere Studierenden“, sagt Dikta, der am Fachbereich Medizintechnik und Technomathematik der FH lehrt. „Sie können einen amerikanischen Abschluss erwerben und für viele von ihnen gibt es die Möglichkeit, ihren Studienaufenthalt in den USA durch eine Tutorentätigkeit zu finanzieren.“ Auch die UWM profitiere von den im dualen Bachelorstudiengang Angewandte Mathematik und Informatik hervorragend ausgebildeten Studierenden, die sich schnell in neue Bereiche einarbeiteten und mit ihren Programmierkenntnissen punkten, so Prof. Dikta. Er selbst war in den letzten 30 Jahren mehrmals als Gastprofessor an der UWM und ist seit 2004 Adjunct-Professor am Department of Mathematical Sciences der UWM.

Im Rahmen der engen Zusammenarbeit des Fachbereichs Medizintechnik und Technomathematik mit der UWM war zuletzt Prof. Dr. Vince Larson für ein Jahr zu Gast am Campus Jülich. Er hielt Vorlesungen im Masterstudiengang Angewandte Mathematik und Informatik und betreute Studierende bei ihren Masterarbeiten. Für Professor Larson war es bereits der zweite Gastaufenthalt in Jülich.

Die FH-Studierenden haben durchweg gute Erfahrungen im Austausch mit der UWM gemacht. Begeistert berichten Cornelia Brämer und Gitte Kremling von ihren Aufenthalten auf der anderen Seite des Atlantiks. Beide arbeiten aktuell an ihrer Promotion am Fachbereich Medizintechnik und Technomathematik der FH und denken gerne an ihre Zeit in Milwaukee zurück, die ihnen viele wissenschaftliche Impulse gebracht und sie auch persönlich sehr bereichert hat. Cornelia Brämer nahm am Dual-Degree-Programm teil und Gitte Kremling an dem PhD-Programm. „Mich hat die freundliche und unkomplizierte Art der Menschen in Amerika beeindruckt, mit der wir willkommen geheißen wurden, und auch an der University of Wisconsin fühlte ich mich schnell sehr wohl“, berichtet Cornelia Brämer und hebt daneben die Möglichkeit hervor, Vorlesungen aus anderen Gebieten der Mathematik, wie beispielsweise der Topologie, zu belegen, die in dieser Form an der FH Aachen nicht angeboten werden. Durch die enge Kooperation der FH Aachen mit der UWM hatte sie genau wie Gitte Kremling die Möglichkeit, dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin zu arbeiten. „Es war eine tolle Erfahrung, selbst eine kleine Vorlesung zu halten“, so Gitte Kremling, die das persönliche Verhältnis zu den Professor:innen und besonders Vince Larson hervorhebt.

Der erste Aufenthalt von Prof. Dikta in Wisconsin wurde über ein Austauschprogramm von Wissenschaftler:innen der UWM und der Justus-Liebig-Universität Gießen gefördert, er war die Grundlage für gemeinsame erfolgreiche Forschungsprojekte. Nach seiner Berufung an die FH Aachen im Jahr 1993 setzte er, jetzt unterstützt durch die FH Aachen und durch die UWM, die Zusammenarbeit fort.  Auf dieser Basis wurden die ersten Absolvent:innen der Technomathematik mit FH-Diplom an der UWM aufgenommen, um dort anschließend einen PhD Abschluss zu erwerben. Je nach der fachlichen Ausrichtung der PhD-Abschlussarbeit wurde die Betreuung der Arbeit in Jülich oder in Milwaukee durchgeführt. Die hervorragenden Abschlüsse dieser ersten Absolvent:innen führten schließlich dazu, dass ein Dual-Degree-Programm im Masterbereich eingerichtet werden konnte.

sliderimage-Prof. Gerd Dikta, Gitte Kremling, Prof. Dr. Vince Larson, Dekan Prof. Dr. Torsten Wagner (von links) Foto: FH Aachen / Jochen Goeser
Prof. Gerd Dikta, Gitte Kremling, Prof. Dr. Vince Larson, Dekan Prof. Dr. Torsten Wagner (von links) Foto: FH Aachen / Jochen Goeser

„Wir sind dort sehr gut aufgenommen worden“

Unterzeichnet wurde das Kooperationsabkommen zwischen der FH Aachen und der UWM im März 2014 in Milwaukee. Die FH-Delegation wurde angeführt vom damaligen Rektor Prof. Dr. Marcus Baumann, außerdem waren der damalige Dekan des Fachbereichs Medizintechnik und Technomathematik, Prof. Dr. Volker Sander, und natürlich der Initiator der Kooperation, Gerhard Dikta, bei der Vertragsunterzeichnung dabei. Teil der Vereinbarung ist, dass für die Austauschstudierenden ein Förderprogramm geschaffen wird, mit dem die sonst erheblichen Tuition-Fees vermieden werden können.

Im Jahr 2017 machten die ersten Studierenden ihre Abschlüsse im Rahmen des Dual-Degree-Programms: Rica Wedowski, Cornelia Krome, Ines Larissa Siebigteroth, Vera Loeser und Thomas Rößler verbrachten im Rahmen ihres Masterstudiums Technomathematik ein Jahr an der Uni am Ufer des Lake Michigan. Ein großartiges Erlebnis sei ihr Studienaufenthalt in den USA gewesen, berichten sie. „Wir sind dort sehr gut aufgenommen worden“, erzählen die Studierenden, die persönliche Betreuung habe ihnen über manche Hürde hinweggeholfen. So hätten sie sich im anders strukturierten US-amerikanischen Hochschulsystem erst einmal zurechtfinden müssen.

Milwaukee ist mit über 570.000 Einwohnern die größte Stadt in Wisconsin und liegt am Westufer des Lake Michigan im Norden der USA. Sie gilt als sehr schöne, grüne Stadt, die tolle Freizeitmöglichkeiten von Kanutouren und Strand im Sommer bis zu Skilanglauf im Winter bietet. Die UWM liegt nur wenige Häuserblocks vom Seeufer entfernt und hat berühmte Absolvent:innen hervorgebracht, wie beispielsweise die ehemalige israelische Premierministerin Golda Meir oder den Hollywoodschauspieler Willem Dafoe. Mehr unter uwm.edu

Zusatzinformation

Darüber hinaus ist die FH Aachen seit 25 Jahren Teil des sogenannten Magellan-Netzwerks, einem einzigartigen Austauschprogramm europäischer Hochschulen. Das Netzwerk umfasst derzeit 17 US-amerikanische Hochschulen in Missouri, Tennessee, Alabama, Mississippi, Kentucky, Ohio, Texas, Kansas, South Dakota und Utah sowie einige Hochschulen in Mexiko, Südkorea und Costa Rica. Ursprünglich war das Netzwerk ausschließlich auf Business Schools beschränkt und hatte 5 europäische und 8 US-amerikanische Partner. Inzwischen besteht das Netzwerk aus 14 europäischen und 20 außereuropäischen Hochschulen. Studierende und Dozierende fast aller Fachrichtungen nehmen mittlerweile an diesem kostenlosen Austauschprogramm teil. Der besondere Charakter des Programms beruht auf den langjährigen persönlichen Beziehungen zwischen den Partnern.

In Nordrhein-Westfalen ist die FH Aachen das einzige Mitglied des Magellan-Netzwerks. Zusammen mit engagierten Partnern in der Euregio und Finnland zählt sie zu den Gründungsmitgliedern. Das Netzwerk wurde mit der festen Überzeugung gegründet, dass nur durch persönlichen Austausch ein echtes interkulturelles Verständnis erreicht werden kann und dass dieser Austausch für Studierende erschwinglich sein muss.

https://www.magellanexchange.org/partners/

sliderimage-Die ersten Absolvent:innen des Dual-Degree-Masters (Quelle: FH Aachen / Arnd Gottschalk)
Die ersten Absolvent:innen des Dual-Degree-Masters (Quelle: FH Aachen / Arnd Gottschalk)
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Die ersten Absolvent:innen des Dual-Degree-Masters (Quelle: FH Aachen / Arnd Gottschalk)
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